21. Dezember 2025

Ein Jahr voller Klänge, Begegnungen und Inspirationen

Mit dem Verklingen der letzten Töne des Jahres 2025 blicken wir auf viele besondere musikalische
Momente, spannende Projekte und vielseitige Erfahrungen zurück. In diesem Jahr setzten wir eine
Deutschlandpremiere um, nahmen als Projektchor beim 7. Internationalen Chorleitungsseminar teil und beendeten das Jahr traditionell mit vier Adventskonzerten im Raum Magdeburg und Harz. Lassen wir einige spannende Eindrücke Revue passieren!

Deutschlandpremiere: „The Tower and the Garden“

Wir starteten das Jahr mit einem einzigartigen Projekt – der Vorbereitung der deutschen Uraufführung von Gregory Spears’ (*1977) The Tower and the Garden, einem Werk für Chor und Streichquartett, das er 2018 komponierte.

Das Stück wird von der Frage umspannt, ob es im Angesicht einer bedrohten Welt, die kurz vor dem
gesellschaftlichen und ökologischen Zusammenbruch steht, außer einer technologiegläubigen
Selbstüberschätzung oder dem illusorischen Wunsch nach einem sicheren Refugium noch weitere
Reaktionen gibt. Dieser Frage nähert sich Spears aus einer modernen katholischen Perspektive.

Textlich liegen der Komposition drei Werke von Thomas Merton, Denise Levertov und Keith
Garebian zugrunde. Im ersten Gedicht wird unsere Gleichgültigkeit gegenüber der Zerstörung der
Welt mit dem Schlaf der Jünger im Garten Getsemani am Vorabend der Verhaftung Jesu verglichen.
Aus der Perspektive der Arbeiter:innen am Turmbau zu Babel, den ungesehenen „Bewohnern der
Schatten“, erzählt das zweite Gedicht von Arbeit und Technologie, die nur sich selbst dienen.

Der letzte Text behandelt das Refugium – es ist eine Hommage an den britischen Filmemacher Derek Jerman (1942–1994) und dessen Garten, der zwischen einem Leuchtturm, einem See und einem Atomkraftwerk liegt. Dieser fand in seinem Garten einen Rückzugsort, aber ebenso auch einen Wirkort. Dem entgegen setzt das Werk die Schönheit des Fragilen, denn: „Stacheldraht um deinen Garten kann Melancholie nicht fernhalten.“

Spears’ moderne und sinnliche Klangsprache formt dieses Textmaterial zu einem bewegenden Werk
voller Klangschönheit. Dieses erste Projekt gipfelte in der Deutschlandpremiere von The Tower and the Garden, die am 12.04.2025 im Konzerthaus Liebfrauen in Wernigerode stattfand.

© Lydia Ramos

Unter der Leitung von Jean-Philippe Apel und mit der Begleitung des Streichquartetts, bestehend
aus Moritz Ter-Nedden (Violine), Jessica Ling (Violine), Yannick Hettich (Viola) und Michael
Schmitz (Violoncello), hielten die philosophischen Fragen Einzug in die bunte Stadt am Harz. Diese exzeptionelle und inspirierende Erfahrung war für uns eine Neuheit, von der alle Teilnehmenden profitieren konnten!

Als Projektchor beim 7. Internationalen Chorleitungsseminar

Im Anschluss an The Tower and the Garden stand sofort das nächste große Projekt an. Im Rahmen des 7. Internationalen Chorleitungsseminars, das vom 28. Juni bis 1. Juli in Wernigerode stattfand,nahmen wir als Projektchor teil.

14 Teilnehme
nde aus aller Welt verfeinerten ihre Dirigierkunst unter der Leitung der Dozent:innen Mat Wright (Großbritannien) und Ai Hooi Lim (Singapur). Für die künstlerische Leitung war der langjährige Dirigent des Rundfunk-Jugendchores Wernigerode und Gründer des Kammerchores Wernigerode, Peter Habermann, zuständig. Die Organisation übernahm Jana Kalniņa.

In Vorbereitung auf das Seminar studierten wir die Stücke bereits an unseren Probenwochenenden
ein, damit die Teilnehmenden diese künstlerisch gestalten und vertiefen konnten. Die stilistische
Bandbreite war dabei vielfältig. Sie reichte von Antonio Lottis Crucifixus über Saint-Saëns’ Calme
des nuits
bis hin zu dem finnischen Chorwerk Pseudo Yoik von Jaakko Mäntyjärvi und einem
Medley malaysischer Volkslieder. Auch Spirituals, romantische Chorlieder und moderne
Kompositionen fanden ihren Platz. Da jede:r Teilnehmende täglich nur etwa 20 Minuten mit dem
Chor proben konnte, mussten gezielt Schwerpunkte gesetzt werden. Das sorgte sowohl bei den
Teilnehmenden als auch bei uns als Chor für Herausforderungen.

Auch für zwischenmenschliche Aktivitäten ergaben sich Räume – so wurde die Zeit genutzt, um
Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. Am dritten Tag des Seminars fand zudem ein
gemeinsames Abendessen statt, bei dem ein echtes Miteinander entstand. Seinen Höhepunkt fand
das Chorleitungsseminar in einem Abschlusskonzert am 1. Juli im Konzerthaus Liebfrauen in
Wernigerode. Die Teilnehmenden dirigierten das von ihnen geprobte Werk vor Publikum und
erhielten abschließend ein Zertifikat für die Teilnahme.

Am Folgetag eröffneten wir – diesmal wieder unter der Leitung von Jean-Philippe Apel –
gemeinsam mit dem Hangzhou Yangzheng Primary School Choir aus China und dem Estudio
Choralia
aus Costa Rica das 13. Internationale Johannes-Brahms-Chorfestival. In diesem
Blogbeitrag zum Chorleitungsseminar können Sie unsere Eindrücke über das
Erlebte nachlesen.

„Licht. Nacht. Stern.“ – Adventskonzerte im Harz und in Magdeburg

Nach einer kurzen Sommerpause fanden wir uns im September wieder zusammen, um das
Weihnachtsprogramm mit dem Titel „Licht. Nacht. Stern.“ zu erarbeiten. Die Chormusik aus fünf
Jahrhunderten erzählt von sternklaren Winternächten, Frieden und Hoffnung – und der Vorfreude
auf die Ankunft Jesu.

Diese wird aus vielfältigen Blickwinkeln betrachtet: verklärt und mythisch mit Es kommt ein Schiff
geladen
oder Poulencs O Magnum Mysterium, doch auch feierlich und sinnlich wie in den
britischen Klassikern God Rest You Merry, Gentlemen und The Holly and the Ivy. Schwedische
Klänge von Hugo Alfvén und Otto Olsson schwärmen darüber hinaus vom Glanz des
Weihnachtssterns.

Stücke von Trond Kverno, Rihards Dubra, Erhard Mauersberger, Franz Wüllner und Thomas Tallis sowie – zur Weihnachtszeit fast selbstverständlich – Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn Bartholdy bereicherten die Klanglandschaft unseres Programms zur Adventszeit ebenso.

Am zweiten Adventswochenende fand sich der Kammerchor in der Markuskirche Magdeburg und der St.-Laurentius-Kirche Möckern zusammen, um das vielseitige Programm vor zahlreichem Publikum zu präsentieren – aufgrund niedriger Temperaturen dick eingepackt in Mäntel sowie Schals und Handschuhe.

Am vierten Adventswochenende kehrten wir wieder in den Harz zurück. Mit gut besuchten Konzerten im Konzerthaus Liebfrauen in Wernigerode sowie in der Herz-Jesu-Kirche in Thale fand die diesjährige Weihnachtssaison ihren Abschluss. Anlässlich unseres letzten Zusammentreffens in diesem Jahr fanden wir uns zu einem Brunch zusammen, bei dem neben einem leckeren Buffet auch nützliche Wichtelgeschenke verteilt und Spiele gespielt wurden.

Die musikalische Reise durch das Jahr 2025 war für uns außerordentlich inspirierend und bereichernd. Für die kommenden Feiertage wünschen wir Momente der Hoffnung und Besinnlichkeit!